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Chronische Entzündung

Die Entzündung ist ein Schutzmechanismus des Körpers. Die komplexen
immunologischen Abläufe bei der Inflammation verteidigen unseren Körper
gegen pathogene Mikroorganismen und eliminieren geschädigte Zellen.
Die Fähigkeit zur Entzündung ist für das Überleben unabdingbar.
Im Normalfall klingt die Entzündung nach Beseitigung des schädigenden
Agens wieder ab, das Gewebe heilt.

Manchmal reguliert sich jedoch der Entzündungsprozess nicht wieder herunter. Wie ein Schwelbrand besteht die inflammatorische Aktivität fort: es entsteht eine chronische Entzündung.

Immunologische Zellen haben das Gewebe infiltriert und produzieren fortgesetzt Entzündungsmediatoren. Das Immunsystem richtet sich gegen das gesunde Gewebe. Zu den klassischen Zeichen der Entzündung, rubor, calor, tumor, dolor und functio laesa, entwickelt sich aufgrund des Zelluntergangs und der reaktiven Gewebeveränderungen eine fortschreitende, nicht-reversible Destruktion des betroffenen Organs. Bei einigen Erkrankungen, die durch eine chronische Entzündung gekennzeichnet sind, findet man deutlich erhöhte Werte des Zytokins Tumornekrosefaktor (TNF) im entzündeten Gewebe und im Blut. Dies ist beispielsweise bei den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und der Plaque-Psoriasis (Schuppenflechte) der Fall.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

Dieser Formenkreis beschreibt chronische, systemische Autoimmunerkrankungen genetisch prädisponierter Menschen, bei denen es zu einer progressiven Entzündung der Synovia kommt. Ihnen droht eine Gelenkzerstörung. Behandlungsmethoden zielen darauf ab, Entzündung und Destruktion einzudämmen, den Schmerz zu lindern und die Funktion des Gelenks zu erhalten.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Darmerkrankungen mit rezidivierenden oder kontinuierlich bestehenden Entzündungen der Darmschleimhaut sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Betroffene leiden u.a. unter häufigem Durchfall, blutigem Stuhl und krampfartigen Bauchschmerzen. Als Folge der chronischen Entzündung kann unter anderem eine Malabsorption auftreten, oft komplizieren Abszesse oder Fisteln das Krankheitsbild.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Plaque-Psoriasis

Die Plaque-Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine immunververmittelte Systemerkrankung, die sich zumeist primär an der Haut manifestiert. Verschiedene genetische Veränderungen werden dafür verantwortlich gemacht, dass die chronische Entzündung entstehen kann. Lifestyle-Faktoren wie Adipositas, Alkohol- und Nikotingenuss triggern das Auftreten einer Plaque-Psoriasis und die Verschlimmerung ihrer Symptome.

Plaque-Psoriasis

Uveitis

Als Uveitis bezeichnet man eine Gruppe entzündlicher Erkrankungen der mittleren Augenhaut (Uvea), die im vorderen Augensegment aus der Regenbogenhaut (Iris) und dem Ziliarkörper (Corpus ciliare) und im hinteren Augenabschnitt aus der Aderhaut (Chorioidea) besteht. Abhängig von den betroffenen Bereichen des Auges erfolgt die anatomische Klassifikation der Uveitis in vordere (anteriore), mittlere (intermediäre), hintere (posteriore) und Panuveitis, während bei der letztgenannten mindestens zwei Augenbereiche entzündet sind.

Uveitis

Zytokin TNF steuert die Abwehrreaktion

Der Tumornekrosefaktor, kurz TNF, spielt als Entzündungsmediator eine Schlüsselrolle in der Entstehung der chronischen Entzündung. Er initiiert bei einer lokalen Gewebeschädigung die Abwehrreaktion. Nachdem er von einigen Immunozyten, zumeist T-Zellen und Makrophagen, ausgeschüttet wird, stößt er in den Gewebszellen eine immense Produktion von proinflammatorischen Mediatoren an. Die Entzündung flammt auf.

3D-Animation: Der Tumornekrosefaktor (TNF) – Ein Schlüsselzytokin in der Entzündung

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Bei einigen Autoimmunerkrankungen lassen sich signifikant erhöhte TNF-Konzentrationen im Gewebe nachweisen. Neben der Initiation einer Vielzahl verschiedener inflammatorischer Zytokine findet man bei bestimmten Erkrankungen weitere Effekte, die auf TNF zurückzuführen sind. Bei rheumatoider Arthritis führt TNF zu einem Abbau der Knochen-Matrix und einer vermehrten Osteoklastogenese.Die Bildung von Granulomen bei Morbus Crohn wird ebenfalls durch TNF gefördert. Der ausgeprägte entzündungshemmende Effekt, den man beim Einsatz von TNF-Blockern beobachtet, bestätigt die Schlüsselposition des TNF für die chronische Entzündung bei diesen Erkrankungen.

Literatur

  1. Bechara, FG. MMW Fortschritte der Medizin 2016, 52–53.
  2. Augustin, M et al. Acta dermato-venereologica 2010: 90, 147–151.
  3. Augustin, M et al. Br. J. Dermatol. 2010: 162, 633–636.
  4. Engeser, P et al. Z Allg Med 2006: 82, 153–158.