Pathogenese der Colitis ulcerosa

Ätiologie und Pathogenese der Colitis ulcerosa sind bislang noch nicht vollständig aufgeklärt. Man nimmt eine multifaktorielle Genese an, bei der eine genetische Prädisposition zusammen mit bestimmten Umweltfaktoren zur Fehlregulation des Immunsystems führt (2):

  • Genetische Prädisposition
  • Als Auslöser wird eine Barrierestörung der Darmmukosa durch 
    bestimmte Mikroorganismen angenommen
  • Folge der Barrierestörung ist eine fehlgesteuerte Immunreaktion
  • Das proinflammatorische Zytokin Tumornekrosefaktor (TNF)
    nimmt eine Schlüsselrolle ein

Genetik

  • Familiäre Häufung: Erkrankungsrisiko bei Verwandten 1. Grades erhöht; bei eineiigen Zwillingen sind häufig beide Geschwister erkrankt (1, 2).
  • Verschiedene Genorte im Zusammenhang mit Colitis ulcerosa beschrieben, darunter u. a. Loci, die assoziiert sind mit: Mukosabarriere, Apoptose, Interleukin-Signalwegen oder auch T-Helferzell-Differenzierung (TH1 und TH17) (3). 

Umweltfaktoren

  • Ein „westlicher“ Lebensstil mit hohem Fett- und Zuckeranteil in der Nahrung, Stress wird mit der Krankheitsentstehung in Verbindung gebracht (3).
  • Die Einnahme von NSAR scheint mit der Verschlechterung einer bestehenden Colitis ulcerosa verbunden (1).
  • Das Risiko ehemaliger Raucher, eine Colitis ulcerosa zu entwickeln, ist erhöht; ein schwererer Verlauf der Erkrankung ist bei diesen Patienten häufiger (1). Bei ehemaligen Rauchern, die wieder mit dem Rauchen anfangen, scheint der Verlauf milder zu sein (1).
  • Eine frühe Appendektomie (wegen „echter“ Appendizitis) scheint die Inzidenz der Colitis ulcerosa zu senken (1, 3).

Immunreaktion führt zur exzessiven Entzündung

Pathomechanismus der Colitis ulcerosa (mod. nach (3)). Glyokolipide aus den Epithelzellen oder den Bakterien sorgen für eine Hochregulation des IL-13Rα2-Rezeptors auf den NK-Zellen (1). Das daraufhin abgegebene IL-13 aktiviert die NK-Zellen (2). Diese schädigen das Darmepithel, sodass es zu einer Barriere-Störung kommt (3). Die Barriere-Störung führt dazu, dass verstärkt Bakterien aus dem Darm in die Zelle aufgenommen werden (4). Es werden Autoantikörper gegen bakterielle Produkte gebildet (5). Durch die verstärkte Aufnahme der Bakterien werden auch dendritische Zellen und Makrophagen stimuliert, die proinflammatorische Zytokine sezernieren (6), unter anderem TNF. Neben den TH1- und TH17-Zellen werden vor allem TH2-Zellen gebildet (7). Auch die TH2-Zellen produzieren Il-13, was die Barriere-Störung am Epithel verstärkt.

Literatur

  1. Dignass A, Preiß JC, Aust DE et al. Aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa 2011 – Ergebnisse einer Evidenzbasierten Konsensuskonferenz. Z Gastroenterol 2011; 49: 1276—1341
  2. Stange EF, Travis SPL, Vermeire S et al. European evidence-based consensus on the diagnosis and management of ulcerative colitis: definitions and diagnosis. J Crohn´s Colitis 2008; 2: 1—23
  3. Danese S, Fiocchi C. Ulcerative colitis. N Engl J Med 2011; 365: 1713—1725
  4.  Heller F, Florian P, Bojarski C et al. Interleukin-13 is the key effector Th2 cytokine in ulcerative colitis that affects epithelial tight junctions, apoptosis, and cell restitution. Gastroenterology 2005; 129: 550—564
  5. Fuss IJ, Heller F, Boirivant M et al. Nonclassical CD1d-restricted NK T cells that produce IL-13 characterize an atypical Th2 response in ulcerative colitis. J Clin Invest 2004; 113: 1490—1497
  6. Fujino S, Andoh A, Bamba S et al. Increased expression of interleukin 17 in inflammatory bowel disease. Gut 2003; 52: 65—70
  7. Homsak E, Micetić-Turk D, Bozic B. Autoantibodies pANCA, GAB and PAB in inflammatory bowel disease: prevalence, characteristics and diagnostic value. Wien Klin Wochenschr 2010; 122 (Suppl 2): 19—25
  8. Geng X, Biancone L, Dai HH et al. Tropomyosin isoforms in intestinal mucosa: production of autoantibodies to tropomyosin isoforms in ulcerative colitis. Gastroenterology 1998; 114: 912—922