Pathogenese des Morbus Crohn

Ätiologie und Pathogenese des Morbus Crohn sind bislang noch nicht
aufgeklärt. Man nimmt eine multifaktorielle Genese an:

  • Genetische Prädisposition plus bestimmte Umweltfaktoren führen zur Fehlregulation des Immunsystems der Darmmukosa.
  • Gesichert ist eine Dysbalance pro- und antiinflammatorischer Botenstoffe.
  • Das proinflammatorische Zytokin Tumornekrosefaktor (TNF) nimmt eine Schlüsselrolle ein.

Genetische Prädisposition

  • Familiäre Häufung: Erkrankungsrisiko bei Verwandten 1. Grades 15-fach erhöht; bei monozygoten Zwillingen in mehr als 2/3 beide Zwillinge erkrankt.
  • Assoziationen des Morbus Crohn mit verschiedenen anderen genetisch bedingten Erkrankungen.
  • Dünndarmbefall mit Mutationen im NOD2-Gen assoziiert. NOD2 ist an der Erkennung und Abwehr eindringender Darmbakterien beteiligt.
    Bei NOD2-Mutation werden deutlich weniger Defensine exprimiert: dies könnte zur Barrierestörung führen. Zudem führen die Mutationen offenbar zur Aktivierung von NF-κB, einem Transkriptionsfaktor, der in der Regulation Zytokin produzierender Immunzellen eine wesentliche Rolle spielt.
  • Assoziationen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko für weitere Genorte sind beschrieben.

Auslöser und Risikofaktoren

Hypothese Barrierestörung

Es wird eine Störung der Darmbarriere angenommen, die das Eindringen von Bakterien – auch solchen der natürlichen Darmflora – und anderen Antigenen in die Mukosa erleichtert. Die Folge ist eine Immunreaktion. Darüber hinaus reagieren die T-Zellen von Betroffenen besonders empfindlich auf Darmflorabestandteile. Zusätzlich erleichtern Defekte des Darmepithels das Eindringen von Bakterien.

Risikofaktoren 

  • Erhöhte Hygienestandards tragen vermutlich zum Entstehen von Morbus Crohn bei.
  • Rauchen begünstigt bei Morbus Crohn einen schlechteren Verlauf.

Immunreaktion führt zur exzessiven Entzündung

Literatur

  1. Harrisons Gastroenterologie und Hepatologie, 1. Aufl. Zeitz M, Schmidt H H-J, Bojarski C (Hrsg.); ABW Wissenschaftsverlag, 2011
  2. Baumgart DC, Sandborn WJ. Crohn’s disease. Lancet 2012; 380: 1590–1605