Morbus Crohn

Animation: Morbus Crohn

In Mitteleuropa wird die Prävalenz des Morbus Crohn auf etwa 120–200 pro 100.000 Einwohner geschätzt, mit einer höheren Prävalenz in städtischen Gebieten sowie in sozioökonomisch bessergestellten Schichten.

Die Inzidenz des Morbus Crohn liegt bei 5,2 bis 8,6 jährlichen Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Am häufigsten erkranken Menschen in der Altersgruppe zwischen 15 und 34 Jahren.

Bei bis zu 25 % der Patienten manifestiert sich die Erkrankung bereits im Kindes- oder Jugendalter. In den westlichen Industrieländern hat die Inzidenz des pädiatrischen Morbus Crohn in den letzten Jahren zugenommen und liegt derzeit in Mitteleuropa bei jährlich 2,1 bis 2,5 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Meist tritt die Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen nach dem 10. Lebensjahr auf; allerdings sind 20 – 30 % der Patienten bei Diagnose jünger als zehn und 4 – 10 % sogar jünger als fünf Jahre.

Morbus Crohn tritt familiär gehäuft auf, bei eineiigen Zwillingen konnte zu mehr als zwei Drittel eine Erkrankung beider Zwillinge nachgewiesen werden. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Literatur zur Epidemiologie

  1. Hoffmann JC, Preiß JC, Autschbach F et al. S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn“ Ergebnisse einer Evidenz-basierten Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten zusammen mit dem Kompetenznetz Chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Z Gastroenterol 2008; 46: 1094–1146
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Ursachen des Morbus Crohn noch nicht eindeutig geklärt

Ätiologie und Pathogenese des Morbus Crohn konnten bislang noch nicht eindeutig aufgeklärt werden. Man nimmt eine multifaktorielle Genese an, bei der die genetische Disposition zusammen mit Umweltfaktoren (z. B. Rauchen) zu einer fehlerhaften Regulation des Immunsystems der Darmmukosa führen. Ein antigener Stimulus (z. B. Bakterien der Darmflora oder Nahrungsbestandteile) löst hier eine immunvermittelte Entzündung aus, die sich selbst aufrecht erhält und zu schweren Schäden der Darmwand führt. Im Mittelpunkt dieser Entzündungsaktivität steht u.a. das entzündungsfördernde Zytokin TNF.

Pathogenese des Morbus Crohn

Morbus Crohn betrifft den gesamten Verdauungstrakt

Grundsätzlich kann der Morbus Crohn den gesamten Verdauungstrakt betreffen. Am häufigsten jedoch tritt die Entzündung am Übergang vom Dünn- in den Dickdarm auf. Daneben können auch andere Körperregionen betroffen sein (sog. extraintestinale Manifestationen), z. B. Gelenke, Haut, Leber oder Augen.

Abhängig von der Lokalisation und dem Schweregrad kann sich ein Morbus Crohn sehr unterschiedlich präsentieren. Je nach Befallsmuster und Grad der Entzündung sind Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen, heftige Durchfälle, Fieber und Müdigkeit bei den Patienten typisch.

Mögliche – teils schwere – Komplikationen des Morbus Crohn sind Stenosierungen des Darmlumens, Fistelbildung in benachbarte Hohlorgane oder die Bildung von Abszessen. In vielen Fällen müssen diese Komplikationen chirurgisch behandelt werden. Auch das Risiko für kolorektale Karzinome ist erhöht, wenngleich nicht so deutlich wie bei Patienten mit Colitis ulcerosa.

Klinisches Bild des Morbus Crohn

Von großer Bedeutung: Frühe Therapie des Morbus Crohn

Aufgrund der vielfältigen Symptome ist die Diagnose der Crohn-Krankheit oft schwierig. Anamnese, körperliche Untersuchung und Laborwerte können oft nur Verdachtsmomente liefern. Diese müssen durch Endoskopie, ggf. andere bildgebende Verfahren sowie eine Histologie bestätigt werden.

Diagnostik des Morbus Crohn

Der Morbus Crohn ist bisher nicht heilbar. Es stehen heute jedoch Medikamente zur Verfügung, die Schmerzen und Symptome deutlich lindern und den weiteren Verlauf günstig beeinflussen können. Wichtige Voraussetzung für eine wirksame Therapie ist eine möglichst frühzeitige Diagnosestellung mit der Bestimmung der Krankheitsaktivität und des Schweregrads.

Therapieziel: Nachhaltige vollständige Remission und Mukosaheilung

Mit der Induktionstherapie soll eine Remission des Morbus Crohn erreicht, mit der Erhaltungstherapie ein Wiederaufflammen der Entzündung verhindert werden. Auch die extraintestinalen Manifestationen sprechen meist auf die Medikamente zur Behandlung der Darmentzündung an. Zur Behandlung derjenigen Patienten, bei denen der Entzündungsprozess durch die konventionellen medikamentösen Therapiemaßnahmen nicht eingedämmt werden kann, stehen seit einigen Jahren Biologika zur Verfügung, die gezielt in den Entzündungsprozess eingreifen.

Therapie des Morbus Crohn