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Entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankungen

Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer rheumatischen Erkrankung. Neben den oft starken Schmerzen können Betroffene mit fortschreitender Krankheit auch von Funktionseinschränkungen und bleibenden Deformationen ihrer Gelenke bedroht sein.1

Die auslösende Ursache von entzündlich-rheumatischen Gelenkerkrankungen ist meist nicht bekannt. Der Einfluss einer genetischen Veranlagung gilt als wahrscheinlich. Zusätzlich spielen komplexe Prozesse im Körper und Umweltfaktoren eine Rolle.2 Bei einigen entzündlich-rheumatischen Krankheitsbildern lassen sich geschlechtsspezifische Häufungen beobachten. In manchen Fällen ist ein ursächlicher Zusammenhang zwischen vorausgegangenen gastrointestinalen oder urogenitalen Infektionen erkennbar.

Während eine physiologische Entzündung nach Elimination der Noxe herunter reguliert wird, kommt es bei den entzündlich-rheumatischen Gelenkerkrankungen (ebenso wie bei anderen chronisch-entzündlichen Systemerkrankungen) zu einem anhaltenden inflammatorischen Geschehen, die Entzündung chronifiziert.

Entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankungen sind Systemerkrankungen. Das bedeutet, dass die Entzüdnung nicht nur lokal eines oder mehrere Gelenke, sondern den ganzen Körper betrifft. Die Betroffenen fühlen sich allgemein krank und leistungseingeschränkt. Der entzündliche Prozess ist meist (aber nicht immer) anhand der Entzündungswerte im Blut nachweisbar.

Typisch bei entzündlich-rheumatischen Gelenkerkrankungen: Morgensteifigkeit3

Die im Rahmen der Entzündungsreaktion auftretende Hyperämie und Proliferation der Synovialmembran führt bei einer rheumatoiden Arthritis (RA) zu einer vermehrten Produktion der Synovialflüssigkeit.

In der entzündlich veränderten und daher zellreichen Synovialflüssigkeit kommt es insbesondere nach längeren Ruhephasen zu einer verstärkten Zelladhäsion. Sie erhöht die Viskosität und ist der Grund für die typische Morgensteifigkeit bei rheumatischen Gelenkerkrankungen. Diese Morgensteifigkeit kann von unter 15 Minuten bis zu mehreren Stunden andauern.

Druckschmerzhafte Gelenke und entzündlicher Rückenschmerz3

Der Druckschmerz am erkrankten Gelenk betrifft meist die gesamte Gelenkkapsel. Die schmerzbedingte Tonuserhöhung der umgebenden Muskulatur kann zu Einschränkungen der aktiven Beweglichkeit führen. Einige der rheumatischen Gelenkerkrankungen weisen charakteristische Muster im Gelenkbefall auf. Symmetrischer Befall oder eine Gelenkbeteiligung im Strahl sowie tiefsitzende entzündliche Rückenschmerzen können Hinweise für die Art der rheumatischen Gelenkerkrankung sein. Im Verlauf der Erkrankung kann es unbehandelt zu destruktiven Gelenkveränderungen kommen: Knorpel und Knochen können angegriffen werden, dem Gelenk droht ein Funktionsverlust und die Wirbelsäule kann verknöchern. Häufig treten begleitend auch Entzündungen an Sehnen und Sehnenscheiden auf.

Rheumatoide Arthritis3

Bei der rheumatoiden Arthritis (RA) entzünden sich häufig zunächst die proximalen Gelenke an Händen und Füßen, zumeist beidseits. Typischerweise verläuft diese Erkrankung in Schüben. In ihrem Verlauf befällt sie oft weitere Gelenke. Eine frühe Diagnosestellung und eine leitliniengerechte rheumatologische Behandlung können die Betroffenen oft vor der drohenden Gelenkzerstörung bewahren.

Juvenile idiopathische Arthritis

Wenn bei einem Kind oder Jugendlichen ein oder mehrere Gelenke mindestens seit 6 Wochen entzündlich geschwollen sind oder Funktionsseinschränkungen mit Schmerzen bestehen und andere Ursachen, etwa eine reaktive Arthritis, ausgeschlossen wurden, kann die Diagnose juvenile idiopathische Arthritis (JIA) gestellt werden.4 Die JIA stellt kein einheitliches Krankheitsbild dar. Anhand von klinischem Erscheinungsbild, familiärer Disposition und einigen Laborparametern (Rheumafaktor, antinukleäre Antikörper, HLA-B27) können 7 Subtypen klassifiziert werden.5,6

Axiale Spondyloarthritiden7

Zu den rheumatischen Gelenkerkrankungen gehört auch die Gruppe der axialen Spondyloarthritiden, bei denen hauptsächlich das Achsenskelett (Sakroiliakalgelenke, Wirbelsäule) und die Sehnenansätze (Enthesen) betroffen sind. Sie weisen gemeinsame klinische und genetische Merkmale auf. Überlappungen und Übergänge zwischen den einzelnen Formen sind möglich. Hauptvertreterin der axialen Spondyloarthritis ist die ankylosierende Spondylitis (AS; Synonyme: Spondylitis ankylosans, Morbus Bechterew), die sich durch den Nachweis von strukturellen Veränderungen im Röntgenbild von der nicht röntgenologischen axialen Spondyloarthritis (nr-axSpA) unterscheidet. 

Psoriasis-Arthritis8

Die Psoriasis-Arthritis ist eine rheumatische Gelenkerkrankung, der zumeist die typischen Hauteffloreszenzen der Schuppenflechte vorausgehen. Schwieriger zu erkennen sind die Fälle, bei denen eine Hautbeteiligung nicht bekannt ist. Eine gezielte Suche nach Haut- und/oder Nagelveränderungen ist bei Verdacht auf eine Psoriasis-Arthritis sinnvoll. Meist sind die Gelenke an Händen und Füßen sowie der Wirbelsäule betroffen. Die Erkrankung kann kontinuierlich oder in Schüben verlaufen. 

Literatur

  1. https://dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Daten-und-Fakten/Rheuma-in-Zahlen.html, letzter Zugriff: 09.08.2018
  2. Robert Koch Institut Entzündlich-rheumatische Erkrankungen - Heft 49, Stand: 14.06.2010
  3. Puchner, Rheumatologie aus der Praxis, SpringerWienNewYork, 2.Auflage, 2012.
  4. https://gkjr.de/fuer-aerzte/krankheitsbilder/jia/was-ist-jia/, letzter Zugriff: 09.08.2018
  5. Petty RE, Southwood TR, Manners P et al. International League of Associations for Rheumatology classification of juvenile idiopathic arthritis: second revision, Edmonton, 2001. J Rheumatol. 2004; 31: 390-392.
  6. Minden K, Niewerth M. Klinische Formen der juvenilen idiopathischen Arthritis und ihre Klassifikation. Z Rheumatol 2008; 67: 100–110.
  7. Sieper J et al. Axial spondyloarthritis.Nat Rev Dis Primers. 2015 Jul 9;1:15013.
  8. Boehncke et al. Psoriasis-Arthritis – eine interdisziplinäre Herausforderung. Dtsch Ärztebl 2006; 103: 1455–1461.