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Beurteilung von Krankheitsaktivität und Therapieansprechen

Gemäß der S1-Leitlinie zur medikamentösen Therapie der rheumatoiden Arthritis (1) und den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie zur Anti-TNF-Therapie (2) soll die Krankheitsaktivität bei RA-Patienten unter Anti-TNF-Therapie mit validierten Scores dokumentiert werden.

Praxisrelevante Scores

Der gebräuchlichste praxisrelevante Index zur Beurteilung der Krankheitsaktivität ist der Disease Activity Score (DAS28). Weitere validierte Instrumente zur Messung der Krankheitsaktivität sind der SDAI (Simplified Disease Activity Index) und der CDAI (Clinical Disease Activity Index). Zur Beurteilung der körperlichen Funktionsfähigkeit sind der Health Assessment Questionnaire Disability Index (HAQ-DI) oder der Funktionsfragebogen Hannover (FFbH) geeignet.

DAS28

Der DAS28 (3) ist der gebräuchlichste Index zur Beurteilung der Krankheitsaktivität bei RA. Als validiertes Instrument wird er in der Patientenversorgung sowie in Studien eingesetzt. Mit dem DAS28 wird die Krankheitsaktivität von 28 Gelenken festgehalten. Er integriert:

  • druckschmerzhafte Gelenke
  • geschwollene Gelenke
  • Entzündungsparameter (BSG oder CRP)
  • Patienteneinschätzung der Krankheitsaktivität 

Interpretation:

  • DAS28 < 2,6: klinische Remission
  • DAS28 ≥ 2,6 bis < 3,2 niedrige Krankheitsaktivität
  • DAS28 zwischen 3,2 und < 5,1: moderate Krankheitsaktivität
  • DAS28 ≥ 5,1: hohe Krankheitsaktivität 

Zum interaktiven DAS28-Rechner

SDAI und CDAI

Weitere validierte Instrumente zur Messung der Krankheitsaktivität sind der SDAI (Simplified Disease Activity Index) (4) und der CDAI (Clinical Disease Activity Index) (5).

Der SDAI wird durch eine einfache Addition folgender Parameter berechnet:

  • Anzahl druckschmerzhafter und geschwollener Gelenke
  • CRP-Wert
  • Beurteilung der Krankheitsaktivität durch den Patienten und den Arzt 

Für den CDAI werden nur die klinischen Parameter ohne den CRP-Wert addiert.

Health Assessment Questionnaire Disability Index (HAQ-DI)

Der validierte Patientenfragebogen HAQ-DI (6) erfasst die körperliche Funktionsfähigkeit mit 20 Fragen zu 8 Bereichen des alltäglichen Lebens. Werte zwischen 0 (günstigster Wert) und 3 (schlechtester Wert) sind möglich, eine Verbesserung um mindestens 0,2 Punkte klinisch wird als relevante Verbesserung gewertet. Es besteht eine gute Übereinstimmung mit dem Funktionsfragebogen Hannover (FFbH).

Funktionsfragebogen Hannover (FFbH)

Der FFbH umfasst 18 Fragen zu alltäglichen Aktivitäten. Die Ergebnisse von HAQ und dem aus 12 Fragen bestehenden FFbH-P (Funktionsfragebogen Hannover für Polyarthritiker) können ineinander umgerechnet werden (7).

Scores in Studien

In Studien wird das Therapieansprechen auch nach den ACR- und den EULAR-Kriterien sowie anhand der radiologischen Progression beurteilt. Auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie das Ausmaß der Fatigue werden berücksichtigt. 

ACR-Ansprechen (American College of Rheumatology)

Das ACR-Ansprechen bewertet, ob die Therapie der rheumatoiden Arthritis bei definierten Kriterien zu einer Besserung gegenüber dem Ausgangswert geführt hat. ACR 20, ACR 50, ACR 70 entsprechen jeweils einer 20%igen, 50%igen oder 70%igen Besserung der genannten Kriterien gegenüber dem Ausgangswert.

Parameter: 

  • Anzahl der druckschmerzempfindlichen Gelenke
  • Anzahl der geschwollenen Gelenke 

Bei mindestens 3 der folgenden Parameter muss eine Verbesserung im Vergleich zum Ausgangswert erreicht worden sein:

  • Gesamtbeurteilung der Krankheitsaktivität durch den Arzt
  • Gesamtbeurteilung der Krankheitsaktivität durch den Patienten
  • Patientenbeurteilung des Schmerzes (visuelle Analogskala)
  • Körperliche Funktionsfähigkeit (HAQ)
  • Akute-Phase-Parameter (CRP/BSG)

EULAR-Kriterien (European League Against Rheumatism)

Radiologische Progression (mTSS)

Der modifizierte Total Sharp Score (mTSS) (9) beschreibt das radiologische Ausmaß der Erosionen und die Gelenkspaltverschmälerung, vor allem der Gelenke der Hände und Füße.

Gesundheitsbezogene Lebensqualität

Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wird mit Hilfe des Patientenfragebogens SF-36 (Short Form 36) oder den kürzeren Versionen, SF-12 und SF-8, erfasst. Körperliche und mentale Komponenten der Lebensqualität werden berücksichtigt.

Fatigue

Der FACIT-F (Functional Assessment of Chronic Illness Therapy-Fatigue) ist zur Erfassung der Fatigue bei chronischen Erkrankungen etabliert. Er wurde für die rheumatoide Arthritis validiert.

Literatur

  1. Krüger K, Wollenhaupt J, Albrecht K et al. S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie: Handlungsempfehlungen der DGRh zur sequenziellen medikamentösen Therapie der rheumatoiden Arthritis 2012: adaptierte EULAR Empfehlungen und aktualisierter Therapiealgorithmus. Z Rheumatol 2012; 71: 592—603
  2. Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie zur Anti-TNF-Therapie (Stand 2006). Z Rheumatol. 2007; 66: 72—75. Abstract oder http://dgrh.de/tetnfblocker.html
  3. Prevoo ML, van’t Hof MA, Kuper HH et al. Modified disease activity scores that include twenty-eight-joint counts. Development and validation in a prospective longitudinal study of patients with rheumatoid arthritis. Arthritis Rheum 1995; 38: 44—48
  4. Smolen JS et al. A simplified disease activity index for rheumatoid arthritis for use in clinical practice. Rheumatology (Oxford) 2003; 42: 244—257
  5. Aletaha D et al. Acute phase reactants add little to composite disease activity indices for rheumatoid arthritis: validation of a clinical activity score. Arthritis Res Ther 2005; 7: R796—806
  6. Fries JF, Spitz P, Kraines RG et al. Measurement of patient outcome in arthritis. Arthritis Rheum 1980;23:137—145
  7. DGRh, Kommission für Qualitätssicherung (Hrsg) Qualitätssicherung in der Rheumatologie. Kap 4 Wirksamkeitskriterien der Therapie bei rheumatischen Erkrankungen. Steinkopff, 2007
  8. Van Gestel AM et al. Development and validation of the European League Against Rheumatism response criteria for rheumatoid arthritis. Arthritis Rheum 1996; 39: 34—40
  9. van der Heijde DM. Baillieres Clin Rheumatol 1996; 10: 435—453