Diagnostik der rheumatoiden Arthritis

Für Patienten mit früher rheumatoider Arthritis ist die frühe Diagnosestellung, Klassifizierung und möglichst frühzeitige Einleitung einer krankheitsmodifizierenden Therapie prognoseentscheidend, da die Mehrheit der Patienten schon innerhalb der ersten zwei Jahre nach Krankheitsbeginn Gelenkerosionen entwickelt.

Essenziell für das Erkennen einer frühen Arthritis ist die Unterscheidung zwischen einer Arthritis und einer reinen Arthralgie bei z. B. degenerativen Gelenkveränderungen. Anamnese und körperliche Untersuchung differenzieren zwischen Arthritis und Arthralgie. Labor und Bildgebung bestätigen die Diagnose.

Anamnese und klinische Untersuchung

Bei der Anamnese sollten die Art und Dauer der Schmerzen, Dauer der Gelenkschwellung, Anzahl und Verteilung der betroffenen Gelenke, Belastungsabhängigkeit, Morgensteifigkeit erfragt werden.

Patienten, die folgende Kriterien erfüllen, sollten einem Rheumatologen vorgestellt werden:

  • mehr als 2 betroffene Gelenke seit ≥ 6 Wochen
  • polyartikuläres symmetrisches Verteilungsmuster
  • Morgensteifigkeit ≥ 60 Minuten

Die klinische Untersuchung erfasst Veränderungen aller Gelenke und Organsysteme. Typischer Befund für eine Arthritis ist eine weiche, elastische Schwellung, das Gelenk ist schmerzhaft und steif.

Laboruntersuchungen

Richtungsweisende Laborbefunde für die RA sind:

  • erhöhte Entzündungsparameter (BSG, CRP) spiegeln die Krankheitsaktivität wider
  • Nachweis von IgM-Rheumafaktoren (Spezifität ca. 80 %, Sensitivität ca. 70 %)
  • Nachweis von Antikörpern gegen zyklische zitrullinierte Peptide/Proteine (ACPA):
    im Allgemeinen deutlich höhere Spezifität (95 %) als Rheumafaktoren; bei früher RA prädiktiv für einen schwereren, v. a. erosiv-destruierenden Verlauf, hoher prädiktiver Wert bei einer noch undifferenzierten Arthritis

Bildgebende Verfahren

Die Röntgenuntersuchung beider Hände und Füße ist essenziell. Typische erosive Gelenkveränderungen in einem der Prädilektionsgelenke beweisen schon eine RA. Ihr Fehlen schließt eine frühe rheumatoide Arthritis jedoch nicht aus.

Andere bildgebende Verfahren – Szintigraphie, Gelenksonographie (inkl. Power-Doppler) und MRT – können zum Teil die Veränderungen früher darstellen. Der Nachweis einer vermehrten Gefäßbildung in der proliferierten Gelenkschleimhaut mittels Power-Doppler sowie die MR-tomographische Darstellung eines Knochenödems in Gelenknähe gelten als früheste Zeichen noch reversibler Veränderungen.

Lehrfilme: Anamnese und Untersuchung der Hände und Füße

Die aktuelle Leitlinie „Management der frühen rheumatoiden Arthritis“ (1) definiert einen Versorgungspfad für Patienten mit Gelenkbeschwerden.

Die ACR/EULAR-Klassifikationskriterien erlauben die Diagnosestellung der rheumatoiden Arthritis anhand eines Scores, der die Gelenksymptomatik, Entzündungsparameter, Rheumaserologie und die Dauer der Beschwerden erfasst.

Literatur

  1. Schneider M, Lelgemann M, Abholz H-H. Interdisziplinäre Leitlinie Management der frühen rheumatoiden Arthritis. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, 2011. Springer, Berlin Heidelberg