Therapie der Colitis ulcerosa

Therapieziele: Schnelle Remissionsinduktion und langfristiger Remissionserhalt

Das primäre Ziel der Colitis ulcerosa Therapie ist das rasche Erreichen einer klinischen Remission und die Bewahrung einer langfristigen steroidfreien klinischen und endoskopischen Remission. Vor Einleitung einer antientzündlichen Therapie sollte eine Entzündungsaktivität objektiv nachgewiesen werden1.

Medikamentöse Therapie

Bei der medikamentösen Behandlung der Colitis ulcerosa wird zwischen Schub- und Erhaltungstherapie unterschieden. Während die Schubtherapie dazu dient, akute Symptome zu verringern, soll die Erhaltungstherapie einen erneuten Krankheitsschub (Rezidiv) verhindern:1,2,3

5-Aminosalicylate

5-Aminosalicylate (z.B. Sulfasalazin und Mesalazin) wirken entzündungshemmend und werden – abhängig davon, wie weit die Entzündung im Dickdarm fortgeschritten ist, lokal oder systemisch bei leichten bis mittelschweren Erkrankungsverläufen eingesetzt.1,2,3

Kortikosteroide

Kortikosteroide (z. B. Prednison oder Budesonid) haben eine stark entzündungshemmende Wirkung und wirken schnell. Sie werden im akuten Entzündungsschub angewendet, sowohl bei geringer, mittlerer als auch schwerer Krankheitsaktivität. Sie sollten jedoch nicht dauerhaft verabreicht werden, da es langfristig zu Nebenwirkungen kommen kann.1,2,3

Immunsuppressiva/Thiopurine

Immunsuppressiva (z. B. Azathioprin, und 6-Mercaptopurin) wirken entzündungshemmend und werden bei mittelschwerer bis schwerer Ausprägung der Erkrankung eingesetzt. Da die vollständige Wirkung von Azathioprin oder 6-Mercaptopurin erst nach zwei bis sechs Monaten einsetzt, wird die Zeit bis zum Wirkeintritt häufig zusätzlich mit anderen Medikamenten überbrückt. Wichtig sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen, da die anhaltende Einnahme mit Nebenwirkungen verbunden sein kann.1,2,3

TNF-Antagonisten

Zugelassen zur Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven Colitis ulcerosa bei erwachsenen Patienten, die auf eine konventionelle Therapie, einschließlich Glukokortikoide und 6-Mercaptopurin (6-MP) oder Azathioprin (AZA), unzureichend angesprochen haben, sind derzeit die Wirkstoffe Adalimumab, Golimumab und Infliximab. 

TNF-Antagonisten wirken der Entzündungsreaktion entgegen, indem sie die Aktivität des Immunsystems vermindern. Sie kommen bei mittelschwerem bis schwerem Krankheitsverlauf zum Einsatz, wenn mit herkömmlichen Medikamenten einschließlich Kortikosteroiden und Immunsuppressiva keine Besserung erreicht wurde, eine Unverträglichkeit besteht oder diese nicht angewendet werden dürfen1,2,3. Wird unter den TNF-Antagonisten eine Symptomverbesserung erreicht, können diese auch als Erhaltungstherapie weiter verabreicht werden1,2,3. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt sollten erfolgen. 

Seit 2015 sind zusätzlich zwei Nachahmerprodukte, sogenannte Biosimilars, von Infliximab in Deutschland erhältlich. Diese sind dem Originalmedikament zwar ähnlich, aber nicht vollkommen damit identisch. Grund hierfür ist der ausgesprochen komplexe Herstellungsprozess von Biologika, der selbst auf minimale Veränderungen extrem empfindlich reagiert.4

Zur Therapie der Colitis ulcerosa

Integrin-Hemmer

Der Integrin-Antagonist Vedolizumab wird für die Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven Colitis ulcerosa bei erwachsenen Patienten, die auf eine konventionelle Therapie, einschließlich Glukokortikoide und 6-Mercaptopurin (6-MP) oder Azathioprin (AZA), unzureichend angesprochen haben, eingesetzt.

Integrine, sogenannte Adhäsionsmoleküle, ermöglichen die Verbindung zwischen zwei Zellen. Vedolizumab unterbindet die Entzündungsaktivität im Darm, in dem es das α4β7-Integrin blockiert. Dies ist ein Rezeptor, der bei der Vermittlung von Entzündungsprozessen im Darm eine Rolle spielt. Auch hier sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt erfolgen.

Calcineurin-Inhibitoren

Derzeit sind die Calcineurin-Inhibitoren Ciclosporin und Tacrolimus in Deutschland nicht für die Behandlung der Colitis ulcerosa zugelassen, jedoch empfehlen die Leitlinien ihren Einsatz bei nicht ausreichendem Ansprechen auf eine systemische Steroidtherapie oder bei einer Kontraindikation für Steroide. Nach Erreichen einer Remission sollte dann eine remissionserhaltende Therapie mit Thiopurinen oder 5-Aminosalicylate eingesetzt werden. Das Auftreten von Nebenwirkungen ist dosisabhängig.1,2,3

Chirurgische Therapie

Bei Patienten, bei denen die medikamentöse Therapie nicht zum gewünschten Therapieziel führt oder es zu Komplikationen kommt, sollte eine Operation in Betracht gezogen werden.1 

Dabei wird entweder ein künstlicher Darmausgang (Stoma) gelegt oder aus Teilen des Dünndarms ein künstlicher Enddarm gebildet und mit dem verbliebenen natürlichen Darmausgang verbunden (Pouch). Die Pouchoperation erzielt für Patienten eine bestmögliche Lebensqualität mit durchschnittlich 5-6 Stuhlgängen pro Tag und dem Erhalt der Kontinenz in über 90 % der Patienten1.

Literatur

  1. Kucharzik T et al. Z Gastroenterol 2018.
  2. Harbord M et al. J Crohn`s Colitis 2017;11(7):769-784.
  3. Baumgart DC Dtsch Ärztebl 2009; 106: 123-133.
  4. vfa-Broschüre "Biopharmazeutika. Hightech im Dienst der Patienten". Stand Dezember 2010.