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Colitis ulcerosa

Überschießende Immunreaktion und Barrierestörung als Ursachen der Colitis ulcerosa

Auch für die Colitis ulcerosa sind Ätiologie und Pathogenese bisher noch nicht vollständig bekannt. Angenommen wird eine multifaktorielle Genese, bei der die genetische Disposition zusammen mit Umweltfaktoren zur Fehlregulation des Immunsystems der Darmmukosa führt. Bei Colitis ulcerosa scheinen TH2-zellvermittelte Immunreaktionen zu überwiegen, außerdem sind natürliche Killer-(NK)-Zellen beteiligt. Ein Stimulus, z. B. ein bakterielles Antigen, löst eine immunvermittelte Entzündung aus, die sich selbst aufrecht erhält und zu schweren Schäden der Darmwand führt. Eine wichtige Rolle bei diesen Entzündungsvorgängen spielt auch das Zytokin TNF.


Neben der überschießenden Immunreaktion liegt bei Colitis ulcerosa eine gestörte Barrierefunktion des Darmepithels vor, weshalb mikrobielle Antigene in die Epithelzellen gelangen können. Es kommt zur Antikörperbildung gegen diese und gegen bestimmte körpereigene Strukturen (z. B. intestinale Becherzellen, Tropomyosin). Der Zusammenbruch der Darmbarriere führt sekundär auch zu einer vermehrten Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine wie u. a. TNF.


Pathogenese der Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosa betrifft den Dickdarm

Der gesamte Dickdarm kann von der in Schüben verlaufenden Colitis ulcerosa betroffen sein. Typische Beschwerden der Colitis ulcerosa sind blutige und schleimige Durchfälle. Patienten klagen darüber hinaus  typischerweise auch über Symptome wie schmerzhaften Stuhldrang, Appetitlosigkeit und Übelkeit sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Die Colitis ulcerosa beginnt mit einer Proktitis und sie kann sich im weiteren Verlauf über eine Linksseitencolitis bis zur Pancolitis ausbreiten. Die Entzündung bleibt auf die Mukosa und Submukosa des Dickdarms beschränkt. Lebensbedrohliche Komplikationen wie das toxische Megakolon sind möglich, außerdem kommen extraintestinale Manifestationen z. B. an Gelenken, Haut, Leber, Augen oder weiteren Organen vor. Das kolorektale Karzinomrisiko ist bei längerem Krankheitsverlauf deutlich erhöht.

Klinisches Bild der Colitis ulcerosa

Frühe Diagnose der Colitis ulcerosa ist wichtig

Die Ausprägung der Krankheitsaktivität im Schub ist wesentlich für die Festlegung der Therapie. Zur Messung der Krankheitsaktivität der Colitis ulcerosa existieren mehrere Scores, jedoch gibt es bislang keinen Goldstandard. Nach der Montreal-Klassifikation wird die Krankheitsaktivität der Colitis ulcerosa anhand verschiedener klinischer Parameter in die 4 Stufen Remission, leicht, mittelschwer und schwer eingeteilt:2,3

  • Remission (S0): asymptomatische Stühle
  • Leicht (S1): ≤ 4 Stühle täglich, eventuell blutig; Puls, Temperatur, Hämoglobin und BSG normal.
  • Mittelschwer (S2): > 4 blutige Stühle täglich ohne oder mit minimalen Zeichen einer systemischen Beteiligung.
  • Schwer (S3): ≥ 6 blutige Stühle täglich und Zeichen einer systemischen Beteiligung, wie Temperatur > 37,5 °C, Herzfrequenz > 90/min, Hämoglobin < 10,5 g/dl oder BSG > 30 mm in der ersten Stunde.4,5,6

Therapieziel: Schnelle und dauerhafte Remission

Das kurzfristige Therapieziel ist die rasche Induktion einer steroidfreien Remission. Ein zeitgemäßes Langzeit-Therapieziele ist die Mukosaheilung, welche prädiktiv für die Prävention dauerhafter Schädigungen des Darms und CED-assoziierter Operationen sein kann. Um eine konsequente Verfolgung der Therapie zu ermöglichen, ist es essentiell die Patienten von Beginn an bei der Festlegung der individuellen Therapieziele mit einzubeziehen.

Individuell verschiedene Therapiestrategien orientieren sich am Schweregrad der Erkrankung, dem Befallsmuster, den prognostischen Faktoren und dem Ansprechen auf Vortherapien.

Mittlerweile hat sich das sogenannte „Treat-to-Target“-Konzept in der Praxis etabliert. Man versteht darunter eine engmaschige Verlaufskontrolle und eine konsequente Optimierung und Anpassung der Therapie zur Erreichung der gesetzten Therapieziele.

Die möglichst rasche und dauerhafte Remission soll die Lebensqualität der Betroffenen verbessern sowie Krankenhausaufenthalte und Operationen aufgrund schwerer Komplikationen vermeiden. Eine wirksame Therapie kann auch das erhöhte Risiko für kolorektale Karzinome verringern.

Zur Therapie werden je nach Schwere und Ausdehnung der Erkrankungentzündungshemmende Medikamente zur Remissionsinduktion und zum Remissionserhalt nach einem Stufenschema eingesetzt.

Falls der Entzündungsprozess bei der Colitis ulcerosa durch konventionelle medikamentöse Therapiemaßnahmen nicht ausreichend beeinflusst werden kann, stehen Biologika als wirksame Therapieoption zur Verfügung.

Therapie der Colitis ulcerosa

Leitlinien

Nationale und internationale Leitlinien geben umfassende evidenzbasierte und Experten-Empfehlungen zu Diagnostik, Klassifikation und Therapie.

Für den Fachbereich Gastroenterologie haben wir hier für Sie die entsprechenden Leitlinien und Empfehlungen für eine optimale Diagnostik und Therapie für Colitis ulcerosa zusammengestellt.

Zu den Leitlinien

Literatur

  1. Timmer A, Goebell H. Incidence of ulcerative colitis, 1980-995 — a prospective study in an urban population in Germany. Z Gastroenterol 1999; 37: 1079-1084.
  2. Ott C, Obermeier F, Thieler S et al. The incidence of inflammatory bowel disease in a rural region of Southern Germany: a prospective population-based study. Eur J Gastroenterol Hepatol 2008; 20: 917-923.
  3. Dignass A, Preiß JC, Aust DE et al. Aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa 2011 – Ergebnisse einer Evidenzbasierten Konsensuskonferenz. Z Gastroenterol 2011; 49: 1276–1341.
  4. Silverberg MS, Satsangi J, Ahmad T, et al. Toward an integrated clinical, molecular and serological classification of inflammatory bowel disease: Report of a Working Party of the 2005 Montreal World Congress of Gastroenterology. Can J Gastroenterol 2005;19 Suppl A:5-36.
  5. Silverberg MS, Satsangi J, Ahmad T, et al. Toward an integrated clinical, molecular and serological classification of inflammatory bowel disease: report of a working party of the 2005 Montreal World Congress of Gastroenterology. Can J Gastroenterol 2005;19:5A–36A.
  6. Satsangi J, Silverberg MS, Vermeire S, Colombel JF. The Montreal classification of inflammatory bowel disease: controversies, consensus, and implications. Gut 2006;55:749–53.