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Pathogenese des Morbus Crohn

Ätiologie und Pathogenese des Morbus Crohn konnten bislang noch nicht eindeutig geklärt werden. Man nimmt eine multifaktorielle Genese an, bei der die genetische Disposition zusammen mit Umweltfaktoren (z. B. Rauchen) zu einer fehlerhaften Regulation des Immunsystems der Darmmukosa führen. Ein antigener Stimulus (z. B. Bakterien der Darmflora oder Nahrungsbestandteile) löst hier eine immunvermittelte Entzündung aus, die sich selbst aufrecht erhält und zu schweren Schäden der Darmwand führt. Im Mittelpunkt dieser Entzündungsaktivität steht u.a. das entzündungsfördernde Zytokin TNF.

Genetische Prädisposition

  • Morbus Crohn tritt familiär gehäuft auf, bei eineiigen Zwillingen konnte zu mehr als zwei Dritteln eine Erkrankung beider Zwillinge nachgewiesen werden. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
  • Der Dünndarmbefall wird mit Mutationen im NOD2-Gen assoziiert. NOD2 ist an der Erkennung und Abwehr eindringender Darmbakterien beteiligt. Bei Patienten mit NOD2-Mutation werden deutlich weniger Defensine exprimiert, was zu einer Barrierestörung führen könnte. Zudem führen die Mutationen offenbar zur Aktivierung von NF-κB, einem Transkriptionsfaktor, der in der Regulation Zytokin produzierender Immunzellen eine wesentliche Rolle spielt.
  • Assoziationen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko für weitere Genorte sind beschrieben.

Auslöser und Risikofaktoren

Hypothese Barrierestörung

Es wird eine Störung der Darmbarriere angenommen, die das Eindringen von Bakterien – auch solchen der natürlichen Darmflora – und anderen Antigenen in die Mukosa erleichtert. Die Folge ist eine Immunreaktion. Darüber hinaus reagieren die T-Zellen von Betroffenen besonders empfindlich auf Darmflorabestandteile. Zusätzlich erleichtern Defekte des Darmepithels das Eindringen von Bakterien.

Risikofaktoren

Als gesicherter Risikofaktor für das Entstehen eines Morbus Crohn gilt das Rauchen von Zigaretten, das zudem den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen kann. Auch der Gebrauch nicht steroidaler Schmerzmittel und oraler Kontrazeptiva kann den Verlauf der Erkrankung fördern. Stress hingegen ist kein ursächlicher Faktor, kann aber bei bestehender Erkrankung erneute Entzündungen begünstigen. Übermäßige Hygienestandards tragen vermutlich ebenfalls zum Entstehen von Morbus Crohn bei.

Immunreaktion führt zur exzessiven Entzündung

Literatur

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