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Therapie des Morbus Crohn

Therapieziele: Steroidfreie Remission und Prävention von Komplikationen

Das kurzfristige Therapieziel ist die rasche Induktion einer steroidfreien Remission. Ein zeitgemäßes Langzeit-Therapieziele ist die Mukosaheilung, welche prädiktiv für die Prävention dauerhafter Schädigungen des Darms und CED-assoziierter Operationen sein kann. Um eine konsequente Verfolgung der Therapie zu ermöglichen, ist es essentiell die Patienten von Beginn an bei der Festlegung der individuellen Therapieziele mit einzubeziehen.

Bei betroffenen Kindern und Jugendlichen sollen durch eine Behandlung einer klinischen Remission auch die durch die Erkrankung hervorgerufene Mangelernährung, die ggf. vorhandene Wachstumsstörung oder psychische Belastung behoben werden. Das Ziel der Therapie ist also, eine normale psychosoziale und körperliche Entwicklung des Kindes und Jugendlichen zu gewährleisten.

Individuell verschiedene Therapiestrategien orientieren sich am Schweregrad der Erkrankung, dem Befallsmuster, den prognostischen Faktoren und dem Ansprechen auf Vortherapien. Mittlerweile hat sich das sogenannte „Treat-to-Target“-Konzept in der Praxis etabliert. Man versteht darunter eine engmaschige Verlaufskontrolle und eine konsequente Optimierung und Anpassung der Therapie zur Erreichung der gesetzten Therapieziele.

Therapiemöglichkeiten

Bei der medikamentösen Behandlung des Morbus Crohn wird zwischen Schub- und Erhaltungstherapie unterschieden. Während die Schubtherapie dazu dient, akute Symptome zu verringern, soll die Erhaltungstherapie einen erneuten Krankheitsschub (Rezidiv) verhindern.

Folgende Wirkstoffklassen werden bei Morbus Crohn eingesetzt:

5-Aminosalicylate

Aminosalicylate (z. B. Sulfasalazin und Mesalazin) wirken entzündungshemmend und werden – abhängig davon, welcher Bereich des Verdauungstraktes entzündet ist – lokal oder systemisch bei leichten bis mittelschweren Erkrankungsschüben eingesetzt.

Kortikosteroide

Kortikosteroide (z. B. Prednison oder Budesonid) haben eine stark entzündungshemmende Wirkung und wirken schnell. Sie werden im akuten Entzündungsschub angewendet, sowohl bei geringer, mittlerer als auch schwerer Krankheitsaktivität. Sie sollten jedoch nicht dauerhaft verabreicht werden, da es langfristig zu Nebenwirkungen kommen kann.

Immunsuppressiva

Immunsuppressiva (z. B. Azathioprin, 6-Mercaptopurin und Methotrexat) wirken entzündungshemmend und werden bei starker Ausprägung der Erkrankung eingesetzt. Da die vollständige Wirkung von Azathioprin oder 6-Mercaptopurin erst nach zwei bis sechs Monaten einsetzt, wird die Zeit bis zum Wirkeintritt häufig zusätzlich mit anderen Medikamenten überbrückt. Wichtig sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen, da die anhaltende Einnahme mit Nebenwirkungen verbunden sein kann.

TNF-Antagonisten

Die Wirkstoffe Adalimumab und Infliximab sind zugelassen zur Behandlung von mittelschwerem bis schwerem, aktivem Morbus Crohn bei erwachsenen Patienten, wenn Kortisonpräparate und/oder Immunsuppressiva nicht ausreichend wirken oder nicht angewendet werden können oder eine Unverträglichkeit gegen solche Therapeutika besteht. Adalimumab ist zugelassen für den mittelschweren bis schweren, aktiven MC; Infliximab für den schweren, aktiven MC. Adalimumab ist ebenfalls bereits zugelassen zur Behandlung des mittelschweren, aktiven Morbus Crohn bei Kindern und Jugendlichen. TNF-Antagonisten greifen gezielt in die fehlgeleitete Abwehrreaktion des Immunsystems ein und können so den fortschreitenden Entzündungsprozess im Darm aufhalten. Ein langfristiger Einsatz ist möglich, aber auch hier sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen erfolgen, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Integrin-Hemmer

Der Integrin-Antagonist Vedolizumab wird bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn eingesetzt, die entweder auf die konventionelle Therapie oder einen TNF-Hemmer unzureichend angesprochen haben oder nicht mehr darauf ansprechen oder eine Unverträglichkeit gegen eine entsprechende Behandlung aufweisen.
Integrin-Hemmer unterbinden die Entzündungsaktivität im Darm, indem sie einen Rezeptor blockieren, der bei der Vermittlung von Entzündungsprozessen im Darm eine Rolle spielt. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sollten erfolgen, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.

Interleukin-12/23-Antikörper

Der Interleukin 12/23-Antikörper ist indiziert für die Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerem bis schwerem aktiven Morbus Crohn, die entweder auf eine konventionelle Therapie oder einen TNF-Antagonisten unzureichend angesprochen haben, nicht mehr darauf ansprechen oder eine Unverträglichkeit oder eine Kontraindikation gegen eine entsprechende Begandlung aufweisen. Auch hier sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen erfolgen.

Antibiotika

Antibiotika wie Metronidazol und Ciprofloxacin werden vorwiegend zur Behandlung von Komplikationen wie Fisteln und Abszessen eingesetzt.

Chirurgische Therapie

Laut Studien aus den 70er bis 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ist bei bis zu 50 % der Patienten mit einem Morbus Crohn innerhalb von 15 Jahren eine Operation notwendig. Diese ist erforderlich bei aktiver Entzündung, wenn Medikamente keine Wirkung zeigen. Dabei werden stark befallene Darmabschnitte, Stenosen, Fisteln oder Abszesse chirurgisch entfernt.

Ernährung und Ernährungstherapie

Morbus Crohn ist häufig mit einer veränderten oralen Aufnahme von Nahrung verbunden, sodass vor allem die Aufnahme von Folsäure, Vitamin C und E sowie Kalzium vermindert ist. Diese Mängel müssen diätetisch durch geeignete Supplemente oder im Rahmen einer künstlichen Ernährung korrigiert werden. Dabei sollte ein ernährungsmedizinisch geschulter Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft hinzugezogen werden.

Beim pädiatrischen Morbus Crohn ist die alleinige Ernährung über eine Sonde („exclusive enteral nutrition“, EEN) die Therapie der ersten Wahl, um eine Beschwerdefreiheit zu erreichen. Diese Ernährungstherapie sollte über vier bis acht Wochen ohne weitere normale Nahrungszufuhr durchgeführt werden. So können bei Kindern und Jugendlichen mit Morbus Crohn bei guter Verträglichkeit vergleichbar hohe Remissionsraten erzielt werden wie mit Kortikosteroiden. Eine EEN kann den Ernährungs- und Wachstumszustand der Kinder verbessern, die Abheilung der Schleimhaut begünstigen und den Knochenstoffwechsel positiv beeinflussen. Eine längerfristige Gabe der EEN kann dabei auch die schubfreie Phase verlängern und die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie hinauszögern. Bei adultem Morbus Crohn hat die Ernährungstherapie einen geringeren Stellenwert. Auch ist laut Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten eine Ernährungstherapie mit sondenapplizierten Diäten bei Erwachsenen insgesamt der medikamentösen Therapie unterlegen.

  1. Bei Erwachsenen mit Morbus Crohn kann eine ausschließlich enterale Ernährung im akuten Schub als primäre Therapie zur Remissionsinduktion durchgeführt werden, wenn: die Remission nach leitliniengerechter medikamentöser Therapie nicht erreicht werden kann,
  2. die leitliniengerechte medikamentöse Therapie wegen unerwünschter Wirkungen nicht oder schlecht vertragen wird oder
  3. der Patient die leitliniengerechte medikamentöse Therapie ablehnt. Die alleinige enterale Therapie ist allerdings deutlich weniger effektiv und dauert länger als die übliche medikamentöse Behandlung. Verträgt der Patient überhaupt keine Ernährung über den Darm mehr, muss auf eine parenterale Ernährung ausgewichen werden.

Literatur

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