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Morbus Crohn

Animation: Morbus Crohn

In Mitteleuropa wird die Prävalenz des Morbus Crohn auf etwa 120–200 pro 100.000 Einwohner geschätzt.

Die Inzidenz des Morbus Crohn in Deutschland liegt bei 6,6 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr. Die höchste altersspezfische Inzidenz liegt im dritten Lebensjahrzehnt, zwischen 33 und 45 Jahren.

19 % aller an Morbus-Crohn-Erkrankten sind unter 20 Jahre alt, vereinzelt beginnt die Erkrankung im Säuglingsalter. In den westlichen Industrieländern hat die Häufigkeit von Morbus Crohn bei Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren zugenommen: Man verzeichnet 2,5 bis 11,4 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Fast jeder dritte Betroffene ist bei der Diagnose jünger als zehn Jahre alt. Während bei Erwachsenen beide Geschlechter gleich häufig erkranken, sind bei Kindern unter 15 Jahren Jungen ein wenig häufiger betroffen.

Morbus Crohn tritt familiär gehäuft auf, bei eineiigen Zwillingen konnte zu mehr als zwei Drittel eine Erkrankung beider Zwillinge nachgewiesen werden. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Ursachen des Morbus Crohn noch nicht eindeutig geklärt

Ätiologie und Pathogenese des Morbus Crohn konnten bislang noch nicht eindeutig aufgeklärt werden. Man nimmt eine multifaktorielle Genese an, bei der die genetische Disposition zusammen mit Umweltfaktoren (z. B. Rauchen) zu einer fehlerhaften Regulation des Immunsystems der Darmmukosa führen. Ein antigener Stimulus (z. B. Bakterien der Darmflora oder Nahrungsbestandteile) löst hier eine immunvermittelte Entzündung aus, die sich selbst aufrecht erhält und zu schweren Schäden der Darmwand führt. Im Mittelpunkt dieser Entzündungsaktivität kann u.a. das entzündungsfördernde Zytokin TNF stehen.

Pathogenese des Morbus Crohn

Morbus Crohn betrifft den gesamten Verdauungstrakt

Grundsätzlich kann der Morbus Crohn den gesamten Verdauungstrakt betreffen. Am häufigsten jedoch tritt die Entzündung am Übergang vom Dünn- in den Dickdarm auf. Daneben können auch andere Körperregionen betroffen sein (sog. extraintestinale Manifestationen), z. B. Gelenke, Haut, Leber oder Augen.

Abhängig von der Lokalisation und dem Schweregrad kann sich ein Morbus Crohn sehr unterschiedlich präsentieren. Je nach Befallsmuster und Grad der Entzündung sind Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen, heftige Durchfälle, Fieber und Müdigkeit bei den Patienten typisch.

Morbus Crohn kann zu einer progressiven Schädigung des Darms führen und somit – teils schwere – Komplikationen wie Stenosierungen des Darmlumens, Fistelbildung in benachbarte Hohlorgane oder die Bildung von Abszessen mit sich ziehen. In fortgeschrittenen Fällen müssen diese Komplikationen oft chirurgisch behandelt werden. Auch das Risiko für kolorektale Karzinome kann erhöht sein, wenngleich nicht so deutlich wie bei Patienten mit Colitis ulcerosa.

Leitlinien

Nationale und internationale Leitlinien geben umfassende evidenzbasierte und Experten-Empfehlungen zu Diagnostik, Klassifikation und Therapie.

Für den Fachbereich Gastroenterologie haben wir hier für Sie die entsprechenden Leitlinien und Empfehlungen für eine optimale Diagnostik und Therapie für Morbus Crohn zusammengestellt.

Zu den Leitlinien

Literatur zur Epidemiologie

  1. Hoffmann JC, Preiß JC, Autschbach F et al. S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn“ Ergebnisse einer Evidenz-basierten Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten zusammen mit dem Kompetenznetz Chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Z Gastroenterol 2008; 46: 1094–1146.
  2. Harrisons Gastroenterologie und Hepatologie, 1. Aufl. Zeitz M, Schmidt H H-J, Bojarski C (Hrsg.); ABW Wissenschaftsverlag, 2011
  3. Baumgart DC, Sandborn WJ. Crohn’s disease. Lancet 2012; 380: 1590-1605.
  4. Auvin S et al. Incidence, clinical presentation and location at diagnosis of pediatric inflammatory bowel disease: a prospective population-based study in northern France (1988-1999). J Pediatr Gastroenterol Nutr 2005; 41: 49–55.