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Rheumatoide Arthritis

Rheumatoide Arthritis durch Fehlregulation des Immunsystems

Die Ursachen der RA sind bislang noch nicht bekannt. Vieles deutet darauf hin, dass die Erkrankung durch das Zusammentreffen spezifischer genetischer Faktoren, Umwelteinflüssen sowie möglicherweise durch Infektionen entsteht.

Im Zentrum der Krankheitsentstehung steht eine Fehlregulation des Immunsystems: Von Immunzellen freigesetzte Botenstoffe, sogenannte Zytokine, setzen einen Entzündungsprozess im Gelenk in Gang, der sich selbst aufrecht erhält. Eine bedeutende Rolle fällt hier dem proentzündlichen Zytokin Tumornekrosefaktor (TNF) zu.2 
Unter dem Einfluss der entzündungsfördernden Zytokine kommt es auch zu einer vermehrten Aktivierung von Osteoklasten.2 Dies führt zu einem Ungleichgewicht zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau zugunsten des Knochenabbaus.

Die rheumatoide Arthritis betrifft den ganzen Körper

Die RA ist eine in Schüben verlaufende fortschreitende Autoimmunerkrankung. Sie beginnt zumeist schleichend mit einer schmerzhaften Entzündung der kleinen Gelenke. Am häufigsten betroffen sind die proximalen Interphalangealgelenke (PIP), die Finger- und Zehengrundgelenke und die Gelenke der Hand- bzw. Fußwurzel. Es können aber auch andere Gelenke betroffen sein. In der Regel treten die Gelenkbeschwerden symmetrisch auf. Typische Entzündungszeichen, wie Schwellung, Rötung und Schmerzen, sind Ausdruck der Synovitis im Bereich der betroffenen Gelenke. Im Verlauf der Erkrankung kann es zum Befall weiterer Gelenke kommen.2 Wird die Entzündung nicht adäquat behandelt, kommt es zur fortschreitenden Gelenkzerstörung mit einem Verlust des Gelenkknorpels und der Knochensubstanz.

Neben den Gelenken können auch Sehnen und Sehnenscheiden (Enthesitis) von der Entzündung betroffen sein. Weitere häufige Krankheitsmanifestationen außerhalb der Gelenke (extraartikuläre Manifestationen) sind entzündliche Veränderungen der Augen, Gefäße, inneren Organe und Nerven. Bei schweren Verläufen findet man nicht selten Rheumaknoten im subkutanen Gewebe, oft im Bereich der Streckseiten der Ellbogen.2

Frühe Behandlung der rheumatoiden Arthritis notwendig

Die frühe Diagnosestellung ist von großer Bedeutung, denn bei zu spät beginnender oder unzureichender Behandlung kann die RA durch fortschreitende Gelenkdeformierung und -zerstörung zu schwerer Behinderung, starken Schmerzen und zur massiv eingeschränkten Lebensqualität führen. Viele Patienten sind vermindert erwerbsfähig. Dadurch führt die RA zu erheblichen psychosozialen Belastungen. Auch die Sterblichkeitsrate von Patienten mit einer hohen Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis ist höher als die der Normalbevölkerung, was vor allem auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen ist.3 Allerdings lässt sich durch heutige Therapiemöglichkeiten die Krankheitsaktivität und Schadensentwicklung deutlich mindern.4

Therapieziel: Remission der rheumatoiden Arthritis

Ziel der Therapie ist das Erreichen einer klinischen Remission oder zumindest einer möglichst niedrigen Krankheitskativität, um eine fortschreitende Gelenkzerstörung zu verhindern. Je früher eine Diagnosestellung erfolgt, desto schneller kann auch eine Behandlung beginnen – idealerweise zu einem Zeitpunkt, zu dem noch keine Gelenkzerstörung vorliegt. Die regelmäßige Beurteilung der individuellen Krankheitsaktivität macht eine zielgerichtete Therapie möglich. Patienten mit schweren Verläufen der rheumatoiden Arthritis sollten schnell anhand von definierten prognostischen Faktoren identifiziert werden. Bei residualer Krankheitsaktivität unter konventioneller krankheitsmodifizierender Therapie (conventional synthetic disease-modifying antirheumatic drugs, csDMARDs), sollten diese Patienten frühzeitig eine Biologikatherapie erhalten.5,6

Leitlinien

Nationale und internationale Leitlinien geben umfassende evidenzbasierte und Experten-Empfehlungen zu Diagnostik, Klassifikation und Therapie.

Für den Fachbereich Rheumatologie haben wir hier für Sie die entsprechenden Leitlinien und Empfehlungen für eine optimale Diagnostik und Therapie für rheumatoide Arthritis zusammengestellt.

Zu den Leitlinien

Lehrfilm: Anamnese und Untersuchung
der Hände und Füße

Literatur

  1. dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Daten-und-Fakten/Rheuma-in-Zahlen.html, letzter Zugriff: 08.08.2018.
  2. Puchner, Rheumatologie aus der Praxis, SpringerWienNewYork, 2. Auflage, 2012.
  3. Listing et al., Ann rheum Dis 2015; 74:415-21.
  4. http://mb.dgrh.de/rheumatoidearthritis.html letzter Zugriff: 09.08.2018, 
  5. Fiehn et al., Z Rheumatol. 2018 Jul 3. doi: 10.1007/s00393-018-0481-y.
  6. Smolen JS, et al. Ann Rheum Dis 2017;76(6):960-977.