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Beurteilung von Krankheitsaktivität und Therapieansprechen

Aktuell gibt es keine in den verfügbaren Leitlinien empfohlenen, standardisierten und validierten Scores zur Beurteilung der Krankheitsaktivität und des Therapieansprechens bei einer Uveitis. Einige Score-Systeme sind gerade in der Entwicklung. Beim „Standardized Uveitis Score Heidelberg“ (SUSH) I und SUSH III kann die Aktivität einer nicht infektiösen Uveitis im Vergleich zur Sehschärfe besser dargestellt werden. Beide Scores setzen sich aus der bestkorrigierten Sehschärfe, Vorderkammerzellzahl, zentraler Netzhautdickemessung mittels optischer Kohärenztomografie, Augeninnendruck und Glaskörpertrübung zusammen. SUSH III integriert noch die aktuelle Steroiddosis sowie die Flare-Metermessung1. Ein weiterer sich in der Entwicklung befindender Score umfasst neben der Sehschärfe noch die Entzündung in Vorderkammer, Glaskörper und posteriorem Segment, Makula-Ödem, sowie die Einschätzung des Patienten und Arztes.2

Sehschärfe

Nach wie vor stellt in der Augenheilkunde, insbesondere bei nicht infektiösen entzündlichen Augenerkrankungen, die zentrale Sehschärfe den Goldstandard zur Beurteilung der Erkrankungsaktivität dar. Allerdings ist die Krankheitsaktivität bei der Uveitis von weiteren, multiplen Einzellbefunden abhängig.1 Da aktuell keine standardisierten und validierten Scores in dieser Indikation verfügbar sind, könnten Verlaufsform, Zellzahl und Trübung als Indikatoren für die Krankheitsaktivität und Therapieansprechen herangezogen werden.3

Verlaufsform

Der Verlauf kann in akut, rezidivierend und chronisch unterschieden werden, dessen Charakterisierung ermöglicht die zeitliche Einordnung der Krankheitsaktivität.4 Sie ist zudem für die Therapie relevant, z.B. ist bei akuter Uveitis nur eine Therapie bei aktiver Entzündung notwendig, bei chronischer Entzündung eine dauerhafte suppressive Therapie.3–5

Zellzahl und Trübung

Die semiquantitative Gradeinteilung der Vorderkammerzellen und der Trübung (Tyndall-Effekt) im Glaskörper erfolgt mittels Spaltlampenuntersuchung.3,6 Nach den Kriterien der „Standardization of Uveitis Nomenclature (SUN) Working-Group“3 charakterisiert

  • Grad 0 keine Entzündung.
  • ein 2-stufiger Anstieg oder ein Anstieg von Grad 3+ auf Grad 4+ eine Verschlechterung.
  • eine 2-stufige Abnahme oder eine Abnahme auf Grad 0 eine Verbesserung der Aktivität.
  • eine inaktive Erkrankung für > 3 Monate nach Absetzen aller Therapien eine Remission.

 

Gradeinteilung des Tyndall-Effektes im Glaskörper, modifiziert nach.3,6

GradBeschreibung
0 Keine Trübung
0.5+ Leichte Unschärfe der Ränder des blinden Flecks
1+Leichte Unschärfe des Sehnervs und der Gefäße
2+Moderate Unschärfe des Sehnervs und der Gefäße
3+Unscharfe Ränder des blinden Flecks aber noch sichtbar
4+blinder Fleck nicht sichtbar

Literatur

  1. Kretz FTA et al. Entwicklung nicht-parametrischer Score-Systeme zur Evaluation der Uveitis Aktivität. Deutschsprachige Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation, Interventionelle und Refraktive Chirurgie. 27. Kongress der Deutschsprachigen Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation, Interventionelle und Refraktive Chirurgie (DGII). Heidelberg, 11.-13.04.2013. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2013. Doc13dgii084. doi: 10.3205/13dgii08
  2. Pato Cour E et al. Development of an Activity Disease Score in Patients with Uveitis. Arthritis Rheumatol 2015; 67 (suppl 10
  3. Jabs DA et al. Standardization of uveitis nomenclature for reporting clinical data. Results of the First International Workshop. Am J Ophthalmol 2005;140: 509–516
  4. Jabs DA, Busingye J. Approach to the diagnosis of the uveitides. Am J Ophthalmol 2013;156: 228–236
  5. Fiehn C et al. Differentialdiagnose der Uveitis. Dtsch Ärztebl 2003;100:A2514-2522 [Heft 39]
  6. Leitlinie Nr. 24a: Uveitis intermedia 2014. www.dog.org/wp-content/uploads/2009/09/leit24a..pdf: 1–15